Robert Diez (1844-1922)
Eine kleine Erinnerung an den Dresdener Bildhauer und an seine Gruppe „Kriegers Heimkehr“ in Braunschweig
– Ein Beitrag von Peter Engel, Ansbach –
Im Jahr 2009 ist im Leipziger Universitätsverlag über Robert Diez ein grundlegendes Buch mit 336 Seiten und zahlreichen Abbildungen erschienen: Ernst-Günter Knüppel, Robert Diez. Bildhauerkunst zwischen Romantik und Jugendstil, ein Buch, das alle Facetten anspricht: den Lebensweg, seine Studenten und das Werkverzeichnis mit 192 Nummern. Zahlreiche Werke sind ferner abgebildet und beschrieben in der von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 1994 herausgegebenen Schrift Das Albertinum vor 100 Jahren – Die Skulpturensammlung Georg Treus, s. Register und insbes. S. 156–163, 175, 288, 294–296. Auch im Internet – Wikipedia u.a. – finden sich über Robert Diez interessante Hinweise. Schließlich habe ich im Jahrbuch des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins (HFG) in Meiningen und Kloster Veßra 24, 2009, S. 99–146 über die thüringische Künstlerfamilie Diez geschrieben, darunter auf S. 112–114 auch über Robert Diez und kurz über seine Werke. Da es in Braunschweig auf dem Lessingplatz (damals Siegesplatz) am dortigen Siegesdenkmal mit der Denkmalgruppe „Kriegers Heimkehr“ von Robert Diez ein herausragendes, im Krieg leider zerstörtes Kunstwerk gab, lohnt es sich, dieses Kunstwerk und den Künstler den Braunschweiger Kunst- und Geschichtsfreunden an dieser Stelle wieder in Erinnerung zu bringen.

Robert Diez` Vater war Emil Diez, Bürgermeister der Stadt Pößneck, zuletzt mit dem Ehrentitel Oberbürgermeister, jüngerer Bruder des Meininger Hofmalers Samuel Diez und des Sonneberger Justizrats Eduard Diez, der ebenfalls gut und viel gemalt hat. Die Erinnerung an Robert Diez ist in seiner Geburtsstadt Pößneck unvergessen. Die Erinnerungstafel an seinem Geburtshaus Klosterplatz 9 in Pößneck, dem „Syndikatsgebäude“ (heute Museumsanbau) zwischen Rathaus und Kloster, hatte ursprünglich diesen Text:
Geh.-Rat Prof. Robert Diez
Ehrenbürger der Stadt Pössneck
Sohn des Bürgermeisters Emil Diez
in Pössneck wurde am 20. April 1844
In diesem Hause geboren.
Diese Tafel ging bei einer Sanierung des Hauses 2006 entzwei und wurde 2015 rechts neben der Toreinfahrt mit folgendem Text erneuert:
Prof. Robert Diez (1844-1922)
Ehrenbürger der Stadt Pössneck
wurde in diesem Haus am 20. April 1844 geboren.
Als Leiter des Meister-Ateliers für Bildhauerei
An der Dresdener Akademie schuf er bedeutende
Plastiken, Brunnen und Denkmale.
Zu seinen Schülern gehörte u. a. Ernst Barlach
Nach dem Vater und nach dem Sohn gibt es in Pößneck die Diezstraße, in Dresden (in Loschwitz, wo er gewohnt hat) gibt es die Robert Diezstraße und nach dem Schwiegervater Moritz Calbarla, einem Zuckerfabrikanten, die Calberlastraße. Kinder hatte Robert Diez keine. Am Familiengrab Calberla, erstmals 1836 belegt, auf dem Neustädter Friedhof in Dresden befindet sich eine schwarz-marmorne Grabplatte auf Robert Diez und seine Frau Luise. In einem Nachruf von Paul Schumann, dem Redakteur und Kunstkritiker vom Dresdner Anzeiger, heißt es: Robert Diez war ein Mensch von edelster, vornehmster Gesinnung, in seinem Leben und Auftreten anspruchslos, in seinen Grundsätzen fest und treu. Herrliche Werke gediegenen Könnens hat er uns geschenkt. In Dresdens Kunstgeschichte nimmt er für alle Zeiten einen dauernden Ehrenplatz ein (Knüppel S. 125).
Diez` bedeutendstes, bekanntestes und wohl auch größtes Werk sind die beiden zusammengehörigen Monumentalbrunnen Stürmische Wogen und Stilles Wasser auf dem Albertplatz in Dresden jenseits der Elbe, die den verheerenden Angriff auf die Stadt am 13. und 14. Februar 1945 im Wesentlichen schadlos überstanden haben. 1994 ist in Dresden zur Erinnerung an die erste Inbetriebnahme der beiden Brunnen am 1. September 1894 ein Heft mit 31 Seiten erschienen: Eberhard Engel und Jochen Hänsch, Stürmische Wogen und Stilles Wasser. Weitere bekannte und bemerkenswerte Kunstwerke von Robert Diez sind sein Gänsedieb und sein Waldgeheimnis, die es in leicht unterschiedlichen Formen in Dresden, Burg Ranis, Augustusburg, Pößneck und Meiningen gibt. Das Waldgeheimnis in Meiningen auf dem Sockel des Bechstein-Brunnens im Englischen Garten wurde 1990 gestohlen und konnte 1999 aus einem in Dresden vorhandenen Gipsmodell als Ersatzfigur neu aufgestellt werden.

Zur Erinnerung an Robert Diez stelle ich hier seine im letzten Krieg für Waffenzwecke eingeschmolzene Gruppe Kriegers Heimkehr am Siegesdenkmal zur Erinnerung an den gewonnenen Krieg von 1870/71 auf dem Siegesplatz (heute Lessingplatz) in Braunschweig vor. Dieses Denkmal ist mit Wiedergabe der Frontansicht mit Umfeld und von Detailansichten von zwei Gruppen, darunter Kriegers Heimkehr mit einer Höhe von ca. 2,50 m auf der Rückseite des oberen Denkmalsockels, bei Wikipedia ausführlich beschrieben. Diese Gruppe aus Bronze hat der Künstler in den Jahren 1878 bis 1881 geschaffen. Die Gussformen wurden dann von der Gießerei Hermann Howaldt in Braunschweig dem Städt. Museum Braunschweig übergeben. Zu dieser bronzenen Gruppe gab es zu 1:1 ein Gips-Modell. Dieses Gips-Modell hat als Gegenstand der Internationalen Jubiläums-Kunstausstellung in München 1888, also zu Diez´ Lebzeiten, in der in Leipzig erschienenen Illustrirten Zeitung (Ausgabe Nr. 2357 vom 1. September 1888, S. 216) eine eingehende Würdigung erfahren. Nachfolgend dieser Text:
Wenn irgendwo, so ist der Realismus an einem Sieges- und Kriegerdenkmal wohlangebracht und berechtigt. Unser Heer ist das Volk in Waffen; gilt es, die Thaten unseres Heeres zu feiern, so hat das ganze Volk ein Recht, einen verständlichen und zu Herzen gehenden Ausdruck seiner Gefühle zu verlangen. Allegorien und Symbole lassen das Herz meist kalt, wenn sie auch Verstand und Phantasie der Gebildeten anregen mögen. In der Diezschen Gruppe „Kriegers Heimkehr“ sehen wir ein Beispiel echt volksthümlicher, dabei technisch vollendeter Kunst. Sie ist ein Theil des Siegesdenkmals zu Braunschweig. Dieses besteht aus einer triumphierenden Germania; der Sockel trägt an zwei Seiten kriegerische Abzeichen, an der dritten drei braunschweigische Soldaten in Lebensgröße, an der vierten unsere Gruppe.
Letztere ist ein Werk von Robert Diez in Dresden, nach seiner eigenen Skizze, während alles übrige zum größern Teil fertig von dem Bildhauer Breimann stammt, der 1878 in Dresden starb, bevor er das Denkmal beendigen konnte. Das an der Vollendung Fehlende hat ebenfalls Diez hinzugetan. Breimann hatte sich ursprünglich zwei ideale Gestalten, Sieg und Geschichte darstellend, als Schmuck der vierten Seite gedacht. Indeß hatte schon bei seinen Lebzeiten der Denkmalausschuß sich für eine andere Auffassung ausgesprochen und beauftragte nach Breimanns Tode Robert Diez mit der Vollendung des Denkmals.
Der Künstler hat seine Aufgabe in ausgezeichneter Weise gelöst. Kaum bedarf das Werk einer Erläuterung. Der entlassene Krieger ist eben heimgekehrt, er hat niemand zu Hause angetroffen, vor Ungeduld, die Seinigen zu begrüßen, ist er aufs Feld hinausgeeilt und hat die alten Eltern bei der Ernte überrascht. Mitten in den Garben findet das erste Wiedersehen statt. Die Mutter hat alles, was sie in den Händen hatte, beiseite und sich an die Brust des theuren Sohnes geworfen. Aus ihren Augen strahlt das Glück, den Sohn wohlbehalten nach so vielen Fährlichkeiten wieder in den Armen zu halten. Die innigste Mutterliebe verklärt ihre bäuerischen Züge, all ihre Sorgen und Thränen sind vergessen in dem einen Gedanken: Ich hab` ihn wieder! Auch des Sohnes Gemüth offenbart sich in schöner Weise. Ehrfurchtsvoll hat er die eichenblattgeschmückte Mütze abgezogen und neigt sich liebevoll zu der treuen Mutter hernieder. Der alte Vater steht bedächtig zur Seite. Noch umspannt er die Sense, er eben gebraucht; den Mund halb geöffnet, schaut er freudig hin auf das Wiedersehen zwischen Mutter und Sohn und wartet geduldig, bis der Ausbruch inniger Mutterliebe auch ihn zu seinem Recht kommen lassen wird.
Gewiss entspricht diese Gruppe im Verein mit den übrigen Theilen des Siegerdenkmals dem Zwecke eines solchen vortrefflich. Hier ist nichts zu deuten und zu errathen: Deutschlands Ruhm, Deutschlands Glück offenbaren sich; deutsche Liebe und Gemüthsinnigkeit sprechen in diesen Gestalten ihre unverfälschte Sprache. Zu der bedeutenden Wirkung trägt die überaus charakteristische Durchbildung der Gestalten viel bei. Es sind echte Typen voll Leben, Kraft und Wahrheit. Robert Diez steht als Vertreter eines geistvollen Realismus in der Plastik in Dresden jetzt noch ziemlich allein. Dasjenige Werk, welches seinen Ruf begründete und in allen großen Ausstellungen die erste Medaille erhielt, ist der Gänsediebbrunnen in Dresden. Seit einigen Jahren arbeitet Diez an zwei herrlichen Monumentalbrunnen [nämlich den beiden genannten Brunnen in Dresden]
P. S. [=der oben genannte Paul Schumann]
Man kann hinzufügen, dass der Gruppe nichts Heroisches, nichts Kriegerisches anhaftet: Nur Glück und Glückseligkeit über das Ende des Krieges, Dankbarkeit, Erleichterung, Freude, Friede, kein Triumph, kein Siegestaumel, kein Stolz, endlich ist das Elend vorbei und glückliche Heimkehr! So ist die Gruppe bei richtiger Betrachtung kein Siegesdenkmal, eher ein Antikriegsdenkmal und – so gesehen – auch ein Ausdruck von Robert Diez` innerer Einstellung zu jedem Krieg. Mag sein, dass diese Betrachtung seinerzeit, als der Krieg allseits in Deutschland noch verherrlicht wurde, auch ein Grund mehr war, die Gruppe einzuschmelzen. Bei isolierter Betrachtung der Gruppe denkt man weder an Krieg noch an Frieden, sondern an die ertragreiche, glückliche, nun abgeschlossene Ernte; man beglückwünscht sich gegenseitig! Oder schlicht an die glückliche Heimkehr des Sohnes nach langer Reise.
Ob die Gussformen und das oben zitierte Gips-Modell, das auf der Internationalen Kunstausstellung 1888 in München ausgestellt war, noch existieren, muss eher verneint werden. Der überaus gründliche Ernst-Günter Knüppel schreibt darüber nichts und zeigt auf S. 303 das Gips-Modell mit Hinweis auf Fotos, aber ohne Hinweis auf den Standort. Stadtarchiv und Museum Braunschweig können keine positive Auskunft geben. Hiernach muss davon ausgegangen werden, dass die Gussformen und das Gips-Modell verloren gegangen sind.
Nachwort: Meine Beziehung zu Robert Diez rührt daher, dass er ein Cousin meiner Urgroßmutter Toni Vieweg geborene Diez in Meiningen ist. Das Jahrbuch 41, 2026 des Hennebergisch-Fränkischen Geschichtsvereins in Meiningen enthält deshalb einen weiteren Aufsatz von mir über Robert Diez mit Bezug auf seine Beziehungen nach Meiningen und seine Kunstwerke dort: die Büste des Dichters Rudolf Baumbach (1840–1905) und den Bechsteinbrunnen mit dem Waldgeheimnis zu Ehren des Schriftstellers, Archivars, Märchen- und Sagensammlers Ludwig Bechstein (1801–1860): Die auf einem knorrigen Baumstamm sitzende Waldnymphe lauscht einem Gnom, der ihr ein Geheimnis ins Ohr flüstert. Sie steht auf einem von Diez speziell für Meiningen entworfenen breiten Kalksteinsockel mit Gedenktafel. Rundum befinden sich Tierreliefs aus Bechsteinschen Märchen. Zwei Waldgeister und ein Froschmaul speien Wasser in das blütenförmig gerundete Becken.

OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Braunschweigischer Geschichtsverein (6. Mai 2026). Robert Diez (1844-1922). Braunschweigischer Geschichtsblog. Abgerufen am 19. Juli 2026 von https://doi.org/10.58079/166in




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